Schule und Politik

Politikverdrossenheit? Nicht bei uns! Oder doch? In diversen Projekten haben sich unterschiedliche Kurse an der BvonA in den vergangenen Monaten mit der aktuellen Politik auseinandergesetzt: Erstmals beteiligten wir uns an der Juniorwahl (einem der größten schulübergreifenden Projekte Deutschlands, das nach unterrichtlicher Vorbereitung eine Wahl simuliert), und zwar einerseits parallel zur mittlerweile etwas zurückliegenden Bundestagswahl, andererseits zur kürzlich erst erfolgten Europawahl. Die jeweiligen Ergebnisse samt Auswertung gibt es auf unserer Website. Steven Pfleger, MSS 12, berichtet außerdem von einer Veranstaltung, die im Vorfeld der hiesigen Kommunalwahlen unter Federführung der Rheinpfalz stattfand.

Am Mittwoch, dem 14. Mai, besuchte der stellvertretende Redaktionsleiter der Rheinpfalz für den Landkreis Kaiserslautern, Sebastian Stollhof, die BvonA IGS Otterberg. Hintergrund des Besuches war eine Kampagne, die Herr Stollhof leitete und die versuchte, der Politikverdrossenheit Jugendlicher, insbesondere in der Altersgruppe der 17- bis ca. 30-jährigen Schüler, Abiturienten bzw. Studenten entgegenzuwirken.

22 Schüler und Schülerinnen aus den Grund- und Leistungskursen Sozialkunde der Jahrgangsstufe 11 und 12 nahmen daran teil. Herr Stollhof berichtete über seine Arbeit bei der Rheinpfalz und von der Zusammenarbeit mit Politikern und Politikerinnen. Hierbei erwähnte er auf die Nachfrage eines Schülers hin, dass das Zusammenspiel von Politik und Presse mit dem amtierenden Verbandsbürgermeister Martin Müller sehr gut funktioniere und dass die Redaktion meist schon im Vorfeld der Berichterstattung informiert werde.

Stollhof betonte, wie wichtig es sei, sich für Politik zu interessieren, und warb für seine Arbeit bei der Lokalpresse. Er erwähnte die Möglichkeit, sich um eine Stelle als „freier Mitarbeiter“ bei der Rheinpfalz zu bewerben, was die Möglichkeit biete, an sämtlichen Veranstaltungen (hier: regional) teilzunehmen und darüber zu schreiben.

Die BvonA wurde hierbei gezielt ausgesucht, da die anstehende Fusion der Verbandsgemeinden Otterberg und Otterbach sowie die Verbandsbürgermeisterwahl ein interessantes Ereignis auch für die Jugendlichen darstellte. Um eine rege Diskussion entstehen zu lassen und offene Fragen der Schüler und Schülerinnen aufzuarbeiten, waren die beiden Verbandsbürgermeisterkandidaten Ursula Dirk (CDU) und Harald Westrich (SPD) zu Gast. Sebastian Stollhof bereitete die Schüler und Schülerinnen schon im Vorfeld auf die Diskussion vor, indem er ihnen Mut machte, sich nicht mit „halben“ Antworten zufriedenzugeben, da Politiker gerne auf Fragen auswichen, die ihnen unangenehm seien.

Herr Stollhof teilte zudem zwei Zeitungsartikel der Rheinpfalz über die beiden Verbandsbürgermeisterkandidaten aus, welche sich in der Form kaum unterschieden und die politisch neutrale Position der Lokalpresse charakterisierten. Für den stellvertretenden Redaktionsleiter war es natürlich interessant zu erfahren, mit welchem Medium sich die Schüler und Schülerinnen über die bevorstehenden Kommunalwahlen informiert hatten. Hierbei kamen alle geläufigen Medien zur Sprache, ebenfalls das viel diskutierte Medium „Facebook“, zu dem die Verbandsbürgermeisterkandidaten auch Stellung nahmen.

Paul K. monierte schon anfangs, dass die Bundestagswahl bzw. die Europawahl für die Jugendlichen wohl eher von Interesse seien als die Kommunalwahlen, da die zukünftigen Studierenden nicht mehr vor Ort, sprich hier in der Pfalz blieben, sondern eher das Angebot und die Vielfalt der Großstädte nutzen würden. Steven P. hielt dem entgegen, dass ja sicherlich nicht alle Jugendlichen wegzögen, manche sicherlich auch in der Region bleiben würden und demzufolge doch von den kommunalpolitischen Entscheidungen betroffen seien bzw. davon, wer schließlich Verbandsbürgermeister werden würde. Stollhof wies darauf hin, dass viele Erstwähler, aber auch die meisten Jungwähler Briefwähler seien.

Nachdem beide Kandidaten eingetroffen waren, begann die Podiumsdiskussion mit einer Vorstellungsrunde. Ursula Dirk stellte sich und vor allem ihren Werdegang sehr ausführlich vor, dabei kam sie immer wieder auf ihren Beruf zurück. Dirk absolvierte eine Duale Berufsausbildung als Industriekauffrau, ist mittlerweile selbstständig in ihrem Berufsfeld und unterrichtet Auszubildende in „Personalrecht“. Harald Westrich, der „Öffentliche Verwaltung“ studierte, erzählte von seiner abwechslungsreichen Tätigkeit beim Polizeipräsidium Westpfalz. Er suchte die Herausforderung über das Polizeipräsidium hinaus und wurde 2010 erstmals Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach. Er sei „in die Politik sozusagen hineingerutscht“, so Westrich. Ebenfalls erzählte er über seine Leidenschaft zur Natur und zum Wandern. Hierbei deklarierte er den Ausbau der Wanderwege in der Region als sein „persönliches Projekt“.

Wie bereits zuvor angesprochen nahmen beide Kandidaten Stellung zum umstrittenen Medium „Facebook“. Ursula Dirk fand, es sei prinzipiell ein „gutes“ Medium, jedoch warf sie ein, man müsse bedenken, dass das Internet nichts vergesse. Westrich vertrat die Meinung, dass es für den öffentlichen Bereich gut und vorteilhaft sei: „Ohne soziale Netzwerke bin ich heutzutage abgehängt“, sagte Harald Westrich. Was im privaten Bereich aber eher ein Nachteil für ihn darstelle.

Die Frage nach Kosten und Nutzen der Fusion der Verbandsgemeinden Otterberg und Otterbach kam ebenfalls im Plenum auf und wurde diskutiert. Westrich betonte, dass die Kosten sehr gering seien, da man schon im Vorfeld darauf hinarbeite und gut kooperiere, das jedoch läge auf der Hand. Man habe beispielsweise zwei Ämter, die einem z. B. bei standesamtlichen Anliegen helfen könnten, oder die neue Glasfaserleitung, die die BvonA von nun an mit schnellem Internet versorge. Hier konnte man zusammen eine Bezuschussung von 80 Prozent im Kreis erreichen. Ursula Dirks Mimik und Gestik zu Harald Westrichs Beitrag schienen eher ablehnend.

Sebastian Stollhof warf nachfolgend das Stichwort Bevölkerungsrückgang in der Region ein und inwiefern man diesem aus politischer Sicht entgegenwirken könne. Dirk war der Meinung, man müsse die Infrastruktur verbessern, den Schulstandort stärken und mittelständische Betriebe ansiedeln. Hier argumentierte Ursula Dirk wiederum mit ihrer Berufserfahrung. Harald Westrich widersprach vehement, da die Topographie Otterbergs dies kaum möglich mache. Jedoch könne man die Region durch den Tourismus etwas attraktiver gestalten. Sein Wanderprojekt hätte sich schon amortisiert und man müsse stärker auf die Interessen hinsichtlich Veranstaltungen für die „junge Generation“ eingehen, so Westrich.

Zum Abschluss fragte ein Schüler, weshalb Ursula Dirk von der Wirtschaft in die Politik wechseln möchte. Sie entgegnete, dass sie bereits seit 15 Jahren ehrenamtlich in der Politik tätig sei.

Abschließend kann man sagen, dass diese Podiumsdiskussion eine sehr interessante Veranstaltung war, bei der man stets im Dialog mit den Kandidaten stand. Aus den Gespräch ging hervor, dass sowohl Ursula Dirk als auch Harald Westrich sehr im Hinblick auf die Jugendlichen argumentierten, da dies eine Zielgruppe ist, die viele Wählerstimmen einbringen kann. Im Laufe der Diskussion merkte man, dass Harald Westrich aufgrund seiner Erfahrung im Bürgermeisteramt die Diskussion dominierte, was der spätere Wahlausgang bestätigte.