Faktencheck – Leistungsbremse Pubertät

Am Mittwochabend, dem 04.12.2019, versammelten sich die Eltern und Lehr-kräfte der 7. Jahrgangsstufe zu einer gemeinsamen Veranstaltung in der Aulader Bettina von Arnim IGS in Otterberg. Als Auftakt zu einer neuen Veranstal-tungsreihe unter dem Titel „Eltern erwünscht! – Gemeinsam stark“ stellten sichim Rahmen einer Podiumsdiskussion sechs geladene Gäste dem „Faktencheck:Leistungsbremse Pubertät“, moderiert durch Frank Leis, stellvertretenderSchulleiter der Bettina von Arnim IGS. Als Repräsentant der Elternschaft debattierte der Vorsitzende des SEB, Harald Kapfer, gemeinsam mit Manuela Gorickic (Schulsozialarbeiterin), Harald Westrich (Verbandsbürgermeister der VGOtterbach-Otterberg), Regina Ruby (Diplompsychologin) sowie Carsten Wick(Fachlehrer Mathematik an der BvonA IGS) darüber, wie Eltern und Lehrkräftegemeinsam die Jugendlichen möglichst effektiv durch die bekanntermaßen füralle Beteiligten schwierige Phase der Pubertät begleiten können, welche ReginaRuby als „Hochleistungsphase im Gehirn“ beschrieb. Bei höchster Verarbei-tungsgeschwindigkeit verfügten die pubertierenden Jugendlichen, so Ruby,gleichzeitig nicht über die notwendigen Kontrollinstanzen, um angemessen und„vernünftig“ (re)agieren zu können. Kommen zugleich noch Emotionen insSpiel, gerieten schnell Situationen für die Jugendlichen außer Kontrolle. Rubystellte heraus, dass in dieser Zeit insbesondere der Einfluss der Umgebung fürdie Jugendlichen ein wichtiger Faktor sei, welcher gleichermaßen Sicherheit ge-ben könne, beispielsweise durch die von den Sorgeberechtigten und pädagogi-schen Kräften klar gesetzten Rahmen in der Erziehungsarbeit, jedoch auch ver-unsichern könne, betrachtet man den besonders ausgeprägten Einfluss der Gleichaltrigen sowie den selbst gewählten Vorbildern der Jugendlichen (z. B. In-fluencer auf YouTube). Harald Kapfer warb im Rahmen der Diskussion aus seiner Sicht als Vater eines Jugendlichen dafür, als Eltern den Kindern die notwen-digen Freiräume einzuräumen, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Wenn diesgegebenenfalls auch bedeute zu scheitern, sieht Kapfer die Eltern in der Rolleihren Kindern beizustehen, nur so könne man Kinder zu kritisch denkenden undvernünftig handelnden Menschen erziehen. Dieser Aspekt, den Regina Rubymit dem Begriff der „Selbstwirksamkeit“ in Verbindung brachte, ist auch für Ha-rald Westrich vor dem Hintergrund der Auszubildendeneinstellung im öffentli-chen Dienst ein bedeutender. Man suche nach Bewerbern, welche neben einerguten Schul- sowie Allgemeinbildung auch ein hohes Maß an Sozialkompeten-zen aufweisen können. Im Rahmen der Bewerbungsverfahren stelle er jedochimmer wieder neben eklatanten Defiziten in den Hauptfächern sowie Mängelnin der Allgemeinbildung, fest, dass die Jugendlichen in ihrer Freizeit nur nochselten in Vereinen aktiv seien oder sich anderweitig (sozial) engagierten. DenUmgang mit Frust lerne man aber, so betonte Westrich, in hohem Maße in denVereinen. Insbesondere beim Sport erlebe man prägende Erfolge, die geradeaus dem Überwinden von frustrierenden Phasen resultierten. Diese Erfolgser-lebnisse seien übertragbar auf den Schulalltag und könnten sich darauf positivauswirken. Auch Carsten Wick weiß aufgrund seiner Unterrichtserfahrungen alsMathematiklehrer, wie wichtig für Jugendliche der Erwerb gerade dieser Fähig-keit ist, Frust auszuhalten und überwinden zu können. Schulleiterin Elke Bonnerberichtete in Form kurzer Zwischenberichte aus dem Auditorium heraus unteranderem von ihren Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern im Rahmendes so genannten Drittelparagraphs, in denen sie immer wieder feststellte,dass sich die Jugendlichen nicht intensiv genug auf angekündigte Leistungsüberprüfungen vorbereiteten. Hier versuche sie ihrem Gegenüber immer wie-der bewusst zu machen, wie wichtig aktive Mitarbeit im Unterricht, gründlichesund vollständiges Erledigen der Hausaufgaben und eine saubere Heftführung

ist (die „drei Säulen für schulischen Erfolg“). Nicht nur im Elternhaus, auch imSchulalltag bemühe man sich als Schule intensiv darum, den Jugendlichen klarkommunizierte und verbindliche Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Teil dessenseien die inzwischen bereits seit vier Jahren geführten Hausaufgabenlisten.Manuela Gorickic berichtete von einer Vielzahl an Gesprächen mit Schülerinnenund Schülern der Jahrgänge 7-9. Sie bat die anwesenden Eltern nachdrücklichdarum, ihre Kinder nicht vorschnell abzuholen, wenn diese sich dazu entschei-den vom Sekretariat aus zuhause anzurufen und sich abholen zu lassen. Häufigversuchten die Schülerinnen und Schüler durch das Verlassen des Unterrichtsfrustrierenden Erfahrungen aus dem Weg zu gehen. Gorickic wies ausdrücklichdarauf hin, dass aus diesem vermeidenden Verhalten eine nicht zu unterschät-zende Problematik erwachsen kann. Abschließend herrschte große Einigkeit, dass Schule und Elternhaus den Ju-gendlichen während deren Pubertät gemeinsam ein verlässlicher Begleiter seinmöchten und ihren Einfluss – wenn auch mit Einschränkungen und auch bei Wi-derstand – geltend machen wollen, denn die Pubertät ist biologisch begründbarund die pubertierenden Jugendlichen müssen sich auf starke Sorgeberechtigteund Lehrkräfte verlassen können.

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Harald Westrich (Verbandsbürgermeister der VGOtterbach-Otterberg), Regina Ruby (Diplompsychologin) sowie Carsten Wick (Fachlehrer Mathematik an der BvonA IGS)

 

Herr Leis (stellvertrentender Schulleiter), Harald Kapfer (Vorsitzende des SEB) und Manuela Gorickic (Schulsozialarbeiterin)