Juniorwahl: Politik (be)greifbar machen


„Personalisiertes Verhältniswahlrecht“, „Jamaika-Koalition“ und „Wahlprogramm“ sind Begriffe, mit denen man neuerdings konfrontiert wird. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir an der Bettina von Arnim IGS Otterberg „Juniorwahlen“ durchgeführt. Das Konzept „Juniorwahl“ wurde 1999 von einem Verein mit dem Namen Kumulus e.V. ins Leben gerufen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, primär junge Bürger zur Verantwortungsbereitschaft zu motivieren und die bundesdeutsche Wahlbeteiligung zu erhöhen. Die Juniorwahlen sind eine Simulation echter Wahlen und werden parallel zu den jeweiligen Europa-, Landtags- und Bundestagswahlen durchgeführt. Hierbei wird viel Wert auf die Authentizität gelegt. Zahlreiche Faktoren spielen hier eine große Rolle; doch beginnen wir am Anfang.

Ende Mai besuchten Jutta Edwards und ich die Informationsveranstaltung des Kumulus e.V. in Mainz, um alles Wichtige über die Vorbereitung, den Wahlakt und die Nachbereitung zu erfahren. Anschließend wurde jenes Projekt in der Gesamtkonferenz der Lehrerschaft vorgestellt und fand dort auch Anklang. Prompt wurde beschlossen, dass die Juniorwahl, wie bereits im Jahre 2013 und 2014 erneut durchgeführt werden soll. Es gab danach auch eine Abstimmung mit dem Sozialkunde-Leistungskurs der damaligen Klassenstufe 11: Die Schülerinnen und Schüler sollten entscheiden, ob sie dieses Projekt leiten und umsetzen wollten. Die besagte Abstimmung fiel positiv aus und nun stand es fest: An der BvonA würde 2017 eine Juniorwahl durchgeführt werden.

Doch damit alle Pläne in Erfüllung gehen konnten, musste die Organisation zeitnah beginnen. Viele Beteiligte ermöglichten die Simulation der Wahlen. Gemeinschaftlich erstellten Frau Bonner, Herr Wick, Frau Schürmann, Herr Leis und Frau Edwards einen Zeitplan, der daraufhin in einer Dienstbesprechung präsentiert wurde und somit alle Lehrkräfte über den Ablauf informierte. Dieser lautete wie folgt: Eine Woche lang würde der Sozialkunde-Leistungskurs die Klassen 9a bis einschließlich 13c über die verschiedenen Wahlprogramme der zur Wahl stehenden Parteien sowie über das komplexe Wahlsystem unterrichten. Während dieses Zeitraumes würde einer der Klassensäle zu einem Wahllokal umfunktioniert werden, damit das „Wahlerlebnis“ auf die wählenden Schüler so echt wie nur möglich wirkte. Der Kumulus e.V. ließ uns umgehend nach der Anmeldung alle notwendigen Materialien zukommen, sodass uns eine Wahlurne (mit Siegel), Wahlkabinen und Stimmzettel zur Verfügung standen. Nachdem der Aufbau abgeschlossen war, konstituierten die Schüler einen Wahlvorstand – bestehend aus sechs Personen – der von diesem Moment an eine bedeutende Rolle einnahm und dem ein großes Vertrauen zugesprochen wurde.

Am Freitag, den 14. September 2017, wurde es dann ernst: Der Wahlakt stand bevor. An diesem Tag wählten die beiden Klassenstufen neun und zehn. Jenen, die bei den Vorbereitungen tatkräftig dabei waren, gingen Fragen durch den Kopf, die vorerst unbeantwortet blieben: Wer wählt wen? Werden überhaupt Schüler unser errichtetes Wahllokal aufsuchen und sich dazu bereit erklären, an einer freiwilligen Simulation teilzunehmen? Welches Ergebnis wird die Juniorwahl 2017 hervorbringen? Um dies herauszufinden, mussten die Wahlen erst einmal durchgeführt werden. Am Dienstag, den 19. September 2017, wählten dann die Schüler der Jahrgangsstufen elf bis dreizehn. Umgehend fand sich der Wahlvorstand zusammen und zählte unter Aufsicht von sechs Augenpaaren jede Stimme dreifach aus und kam zum folgenden Endergebnis:

Juniorwahl 2 Juniorwahl 1

Von insgesamt 312 zur Wahl berechtigten Schülerinnen und Schülern haben sich 221 dazu entschieden, diese Möglichkeit zu nutzen. Somit beträgt die Wahlbeteiligung 70,83%. Die stärkste Kraft stellt die „CDU“ mit 28% der Stimmen dar, gefolgt von der „SPD“ mit 19% und dahinter „Die Grünen“.
Anders als bei den Juniorwahlen der BvonA 2013 ist die „CDU“ der „SPD“ dieses Mal um ganze 10% überlegen und die drittstärkste Kraft wird nicht durch „Die Piraten“, sondern durch „Die Grünen“ verkörpert. Besagtes Endergebnis wurde jedoch nicht umgehend veröffentlicht, es wurde zunächst am Donnerstag, den 24. September 2017, online an das Internetportal der Juniorwahl übermittelt. Ebenfalls wurde die Wahlniederschrift per Post nach Berlin zum Kumulus e.V. gesandt. Ab 18 Uhr am Sonntag, den 24. September 2017, konnte das Endergebnis der BvonA und allen teilnehmenden Schulen auf der Internetseite www.Juniorwahl.de dann eingesehen werden.
 Dies soll der Nicht-Beeinflussung der realen Wahlen dienen.

Eine ausgesprochen positive Resonanz war von den Schülern und Schülerinnen zu vernehmen. Sie waren von der Juniorwahl 2017 „begeistert“, fühlten sich „besser informiert als je zuvor“, „motiviert“, „aufgeklärt“ und nun „zu 100 Prozent bereit für die Wahlen in der realen Welt“.

Herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die sich trotz verschiedenster Hindernisse für unser Projekt eingesetzt haben und uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen.

Lene Kolodziej